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Vor dem äußeren kommt der innere Erfolg

Gut ausgerüstet geht es auf die Bergtour. Die Route und das Ziel stehen fest, es liegt außerhalb der eigenen Komfortzone. Klar ist, dass es besonderer Vorbereitung und Anstrengung bedarf. Und klar ist auch, dass es sich lohnt. Genügend Erfahrung spricht dafür und Schilderungen und Bilder ebenso. Gut vorbereitet wagt man sich in ein neues Gelände. Es geht nicht um Leistung, den nächsten Gipfel, mehr Höhenmeter, sondern um ein sich einlassen auf sich selber, auf die Natur, auf das Erleben.

Eine mehrtägige Bergtour versetzt in eine vorübergehende Auszeit aus dem täglichen Leben und erlaubt das sich Einlassen auf den Moment und das größere Ganze. Der Philosoph Frédéric Gros schreibt: ‚Wandern ist von verstörender Schlichtheit. Es geht darum einen Fuß vor den anderen zu setzen‘.

Einen Schritt nach dem anderen. Gut, wenn der Weg scheinbar kein Ende hat, man ist mit sich selber unterwegs und hat Zeit sich einzulassen, nachzudenken und nachzuspüren. Und je länger man geht, desto mehr kommt man im Hier und Jetzt an. Geschehnisse im Innern spiegeln sich im Außen und umgekehrt. Die erlebbare Bewegungsfreiheit stärkt das Gefühl der Selbstermächtigung und der Selbstwahrnehmung.

Plötzlich tauchen Erinnerungen, Gedanken auf, die irgendwie wichtig sind, soviel ist klar. Sie werden in einem leicht veränderten, neuen Kontext wahrgenommen. Die inneren Bilder werden wie selbstverständlich weitergemalt. Bedeutungen ordnen sich neu und fügen sich plötzlich zusammen, machen auf einmal Sinn. Schritt für Schritt erscheint die Realität in einem etwas anderen Licht – beiläufig, aber mit nachhaltiger Wirkung.

Die innere Realität setzt sich neu und anders zusammen – ohne bewusstes Dazutun, sondern aus sich heraus. Was vorher unmöglich erschien bekommt eine neue Perspektive – durch das Hin-Hören, Hin-Spüren und Zulassen. Nicht dem Verstand, sondern der inneren Wahrnehmung, der Intuition folgend.

Diese Form des Gehens hilft die innere Stimme wahrzunehmen, ihr Raum zu geben. Man erkennt Zusammenhänge, begreift Hintergründe und erlaubt Dinge in einem anderen Kontext zu sehen. Man lernt diese Ebene des Erkennens zuzulassen und erfährt deren unmittelbare positive Wirkung.

Das In-der-Natur-Sein, des Mit-Sich-In-Kontakt-Sein ist mehr, es ist eine Form sich selber besser kennenzulernen, es kann tief berühren und verwandeln. Es ist vergleichbar mit der Wirkung von Meditation und intensiven Selbstreflexionsprozessen – man erlaubt den Kontakt mit sich selber und dem, was sich daraus entwickelt. Gleich welchen Weg der Reflexion man für sich findet.

Das Innere wieder stärker wahrnehmen lernen ist Voraussetzung für langanhaltenden äußeren Erfolg, gelebte Balance und Zufriedenheit. Es hilft sich selber gegenüber ehrlich zu sein, die Dinge realistisch einzuordnen, in Balance zu bringen, Ungereimtheiten zu lösen und entstandenen Un-Ordnungen wieder eine neue Struktur zu geben.

Mit gesunder Distanz und offenem Blick sich selber wahrnehmen, die Dinge zulassen und beobachten. Es braucht nicht viel: etwas Zeit, die ungerichtete Wahrnehmung, das Konzentrieren auf das Ein- und Aus-Atmen, auf den nächsten Schritt und ein Bezogen-Sein auf ein größeres Ganzes. Entscheidend ist es los-zu-wandern, los-zu-meditieren oder was auch immer die eigene Form der Reflexion ist. Viele Fragen beantworten oder erübrigen sich dann wie von selbst, Dinge kommen in Bewegung und ergeben einen neuen Sinn.

Je größer die Komplexität und Un-Ordnung im Außen, desto entscheidender ist die innere Wahrnehmungsfähigkeit und Aufstellung. Im Gegensatz zur narzisstischen Selbstbezogenheit, ermöglicht die Selbstreflexion eine gesunde Distanz zu sich selber aufzubauen und zu erhalten. Man erkennt die eigenen Stärken, sieht wo anders hätte gehandelt werden können und was es zur Korrektur bedarf.

Eine Führungskraft als erfolgreicher Macher und Umsetzer unterwegs, erkennt, dass er aus ‚guten Gründen‘ in vielen Situationen überzogen aggressiv re-agiert – auch in der Auseinandersetzung mit seinen Chefs und Kollegen. Er weiß woher die Wut ursprünglich kommt und erkennt an, welchen Preis es ihn kostet. Einerseits hat es ihn stark, unabhängig und empathisch gemacht, andererseits lässt es ihn auch oft emotional über-reagieren. Er nimmt den Schmerz dahinter wahr, lässt ihn zu und löst so die unbewussten, ungewollten Ventile für diese Kraft.

Eine Frau – offen, stark, leistungsorientiert – schiebt den Wunsch nach Partnerschaft und Familie immer wieder hinaus. Das genaue Hinschauen und Reflektieren ermöglicht ihr zu erkennen, dass das Gefühl sich beweisen-zu-müssen sie antreibt und dass diese Verhaltenstendenz im Zweifel alles andere überlagert. Sie erkennt, es ist in Wahrheit schon lang nicht mehr notwendig und setzt ihre Prioritäten und innere Ausrichtung neu.

Eine junge Führungskraft, die gelernt hat immer hilfreich allen zur Seite zu stehen, erkennt, dass dies nicht das Verhaltensmuster ist, was ihm auf seinem beruflichen Weg, insbesondere in der Auseinandersetzung mit einem neuen, jungen Kollegen weiterhilft. Denn der nutzt die unterstützende Art und positioniert sich genau in dem Arbeitsfeld, das von ihm aufgebaut wurde gekonnt aus. Er erkennt, dass anstelle des hilfreichen Aufbauens nun klare Positionierung angesagt ist, zeigt sich bezogen auf sein Verhaltensmuster lernbereit, flexibel und … setzt sich durch.

Die eigenen Stärken voll zur Wirkung bringen bedarf der Innenschau und der Reflexion. Wer sich der eigenen Innenwelt nicht stellt, der wird andere kränken oder sich selbst verletzen. Denn, was nicht bewusst angeschaut wird, wirkt als Schatten destruktiv auf die Umgebung. Die Beschäftigung mit der Innenwelt ist daher die Voraussetzung für dauerhaften Erfolg. Jeden Tag eine kleine ‚innere Wanderung‘ unternehmen und ein Stückchen vom unreflektierten Selbst zu sich nehmen und integrieren. ‚Wenn der Erfolg jemandem treu bleibt, so liegt es daran, dass er sich auf diese Arbeit versteht‘ John R. O’Neill.


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